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Bau der Eisenbahn
Der allmähliche Verlust der Hauptstadtfunktion ab 1518 hatte für das Wirtschafsleben der Stadt keine gravierenden Auswirkungen, die Stadt konnte ihre wirtschaftlichen Privilegien bis ins letzte Viertel des 18. Jahrhunderts halten. Erst der Verlust der Eisenhandelsprivilegien 1781 führten zu einer raschen Verarmung der Stadt, in der im Jahre 1847 nur noch 1509 Menschen lebten.
Die traditionellen Industrien im Süden der Stadt, die Papiermühle aus dem 16. Jahrhundert die 1801 gegründete Bleiweißfabrik, gingen im Verlauf des 19. Jahrhunderts zugrunde.
Einen Aufschwung brachte die Erhebung der Stadt zur Bezirkshauptstadt und dem damit verbundenen Zuzug einer kaufkräftigen Beamtenschaft. Einen weiteren Impuls für die St. Veiter Wirtschaft setzte der Eisenbahnbau, der zu einem sprunghaften Bevölkerungsanstieg führte. Mit dem Ausbau von Eisenbahneinrichtungen mit Werkstätten, Verschubanlagen und Heizhäusern wurde St. Veit zur „Eisenbahnerstadt“. Entscheidend für die Stadt war die Verlegung der Bahnstrecke und die Errichtung des neuen Hauptbahnhofes 1912.
In den zwanziger Jahren kam es zur Errichtung von Sägewerken, die der Wirtschaft der Stadt eine neue Richtung wiesen.
Bei den Gemeinderatswahlen 1920 erreichten die Sozialdemokraten eine klare absolute Mehrheit und stellten fortan den Bürgermeister. Nach der Ermordung von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß besetzten am 26. Juli 1934 nationalsozialistische Aufständische Teile der Stadt. Das ständestaatliche Regime hatte in St. Veit nur wenig Rückhalt in der Bevölkerung und war in seinen Funktionärsschichten von illegalen Nationalsozialisten durchsetzt.
Bald nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im März 1938 formierte sich unter St. Veiter Eisenbahnern eine antifaschistische Widerstandsgruppe, deren Angehörige in Schauprozessen zum Tode verurteilt wurden. Eine Gedenktafel am Hauptbahnhof erinnert an die hingerichteten Eisenbahner.
Als Eisenbahnknotenpunkt geriet St. Veit zwischen dem 16. Oktober 1944 und dem 12. April 1945 in das Visier alliierter Bomberverbände. Die Bahnanlagen wurden schwer beschädigt, das Faserplattenwerk Funder fast völlig zerstört. Das Funderwerk wurde in den frühen fünfziger Jahren neu errichtet und konnte seinen Betrieb 1953 wieder aufnehmen. In jüngster Zeit wurde es auf den letzten technischen Stand gebracht.
Außerdem entstanden zwei weitere Werke, eines in St. Veit, gestaltet von der renommierten Wieder Architekturgruppe „Coop Himmelblau“. Es ist derzeit die mondernste Fabrikanlage in Kärnten.
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft wollte man bewusst die politischen Strukturen vor dem Ende der Demokratie anknüpfen. Die von der Kärntner Landesregierung verordnete vorläufige Gemeindevertretung, die nach dem Ergebnis der letzten Wahl von 1932 zu bilden sei, bedeutete für St. Veit eine starke sozialdemokratische Mehrheit und einen sozialdemokratischen Bürgermeister.